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Delirium Teil 5

Ich genoss jeden Schritt, ich genoss das Gefühl der festgetretenen Erde an meiner nackten Fußsohle, wie ich es niemals vorher in meinem ganzen Leben genossen habe. Ich war anfälliger für das Schöne der Natur. Für die Natürlichkeit an sich. Während ich auf den Stamm zuwanderte, griff ich mir an die linke hintere Hosentasche und holte ein zerknäultes T-Shirt heraus. Ich schlug es aus und streifte es mir über. Es schein mir unangebracht, diesen Ort zu verlassen, ohne Kleidung am Körper. Ich setzte mich auf den Baumstamm und entfernte mit meinen Fingern den Sand zwischen meinen Zehen. Ich zog meine Turnschuhe an und stand auf. Ich war erfüllt von Schaffensdrang und einer nie gekannten Energie, die jeden Kubikmillimeter meines Körpers durchfloss.

Ich war soweit, die Show konnte beginnen. Ich wusste nicht, was ich meinte und war über meine eigenen Gedanken erstaunt. Ich fühlte jetzt, wie sich die Ahnung in mir in ein Kribbeln und Jucken verwandelte. Mein Körper zitterte innerlich, ohne es sich äußerlich anmerken zu lassen. Vor allem meine Hände entglitten immer mehr meiner bewussten Kontrolle. Sie öffneten sich ohne mein Dazutun und ballten sich zu Fäusten. So fest, dass die Knöchel wie hervor traten. Ich vermutete, dass ich ein Ventil für das Angestaute in mir brauchte. Ich konnte nicht genau sagen, was es war. Es waren keine Aggressionen, auch wenn ich meiner Meinung nach Grund genug dazu hatte. Es war eine konstruktive Kraft in mir, keine zerstörerische. Ich wollte niemanden verletzten oder umbringen. Ich hoffte, dass sich mein Körper insofern mit meinen Gedanken im Einklang befand, dass ich es auch tatsächlich nicht tun würde. Ich war bis in die Haarspitzen geladen, es war nur noch eine Frage der Zeit, bis ich merken würde, wer oder was mein Ventil sein würde. Das Kribbeln in meinen Fingern wurde langsam unerträglich. Meine Unterarme begannen zu vibrieren, nicht sehr stark, aber so, dass ich es spürte und so sehr, dass ich mir Sorgen darüber machte, was wohl mit mir passieren würde.

War das jetzt nur ein Anfang von etwas sehr großem, dass ich noch nicht benennen konnte, oder war es etwa die Wirkung vom Alkohol vom Vorabend, der meine Gedanken verschleierte. Ich hatte zwar sehr viele gleichzeitige Gedankengänge, aber ich konnte keinen genau beschreiben. Ich betrachtete meine zitternden Hände einen Moment und schrie sie dann an. Es half nichts. Ich wandte mich flehend an den Wald und hob meine Hände in die Höhe. Es knackte hinten im meinem Kopf und auf einmal durchströmte mich innere Ruhe. Gelassenheit, Ausgeglichenheit. Alle Muskeln entspannten sich, Verkrampfungen und Verspannungen lösten sich wie von selbst. Ich hatte das Bedürfnis, mich in die Zivilisation zu begeben. Ich wusste nicht woher es kam, aber ich wollte, dass mich Menschen anhörten, ich brauchte Leute, die mir zuhörten um meine Macht richtig ausleben zu können. Meine Ohren war jetzt derart feinfühlig, dass ich einen Zitronenfalter in 5 Metern Entfernung mit den Flügeln schlagen hören konnte. Alle meine Sinne waren so scharf, wie diese Ginsu-Messer aus der Fernsehwerbung.

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